Abgesoffen in der Tundra

08.09.2014 09:09 | News

In diesem Teil  Zentral-Alaskas gibt es keine asphaltierten Straßen. Im schier endlos langen Winter werden winter trails angelegt, Schlittenpfade über die gefrorene Tundra. Angelegt von Motorschlittenfahrern und Husky-Teams. Im Sommer sind kleine Flugzeuge oder Boote die einzigen verlässlichen Transportmittel hier.


<  Foto & Copyright Dieter Kreutzkamp >
 

Oder die Füße…

Und auf die bauen wir..!

Ein Kanu für uns war von Tom, einem Bekannten Carols, gegen Winterende mit einem Motorschlitten zu den Quellwassern des Kuskokwim River geschleppt worden. Und genau diesem winter trail würden wir folgen.

Carol ist eine Wildniskennerin und auch ich bin in Sachen Nordlandwildnis kein Greenhorn; Tausende von Kilometern bin ich allein mit Husky-Teams von bis zu zwölf Hunden bei minus  40°C durch die Wildnis gezogen… Viele Sommer lang bin ich weit mehr als 10 000 Kilometer mit Kajak und Kanu hier unterwegs gewesen.

Aber ich weiß auch, dass die Bilder des Winters mit dem Tauen des Schnees unwiderruflich verschwinden. Zurück bleibt eine weiche, morastige Tundra, die wirkt, als habe sie noch nie eines Menschen Fuß betreten.

<  Foto & Copyright Dieter Kreutzkamp >
 

Und über diese Tundra wollen wir uns zu zweit – schwer beladen dazu – zu Fuß durchschlagen.

Da wir mehr Gepäck haben, als zwei Personen mit einem Gang schleppen können, werde ich am Ende der jeweiligen Etappe zurück gehen und die letzten verbleibenden gut 25 Kilo Gepäck holen.

Um es kurz zu machen: Neun Tage sind wir zu Fuß unterwegs. Zwei Drittel der Zeit regnet es, die Tundra säuft ab. Die Beine bis zu den Knien im Wasser, torkeln wir durch den moorartigen Untergrund. Einer der härtesten Trips, die ich je unternahm!


<  Foto & Copyright Dieter Kreutzkamp >
 

Zum Glück ist ein völliges Absaufen nahezu unmöglich: In 60 Zentimetern Tiefe ist die Tundra solide zu Eis gefroren. Permafrost!

Soweit die gute Nachricht.

Die andere aber… ganz gleich, ob beim Wandern im Regen oder abends im Camp: Abertausend blutrünstiger Moskitos finden binnen Sekunden den Weg zu uns. Wir werden später hören, dass die Regenfälle dieses Sommers in Zentral-Alaska die stärksten seit 100 Jahren gewesen sind.


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Wir wissen das aber schon jetzt, denn gut eine Woche lang kommen unsere Füße nicht aus den Neoprensocken raus. Gut eine Woche lang straucheln wir ohne Schuhe (die im Morast hoffnungslos versinken würden) durch die eisige, nasse Tundra. Verletzen unsere Füße, verlieren Zehennägel…


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Dann endlich finden wir das im Winter deponierte Kanu am Oberlauf des Kuskokwim!

<  Text & Copyright Dieter Kreutzkamp >

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