Lagebericht: Nanyuki/ Kenia, am Äquator

11.03.2012 18:10 | News

Wir sind heute nach herzlicher Verabschiedung von allen anderen Globetrottern am Nil entlang gen Süden gefahren, um morgen recht früh in Dongola sein zu können. Nach so langer Zeit in Gesellschaft ist das Reisen allein auch wieder sehr schön.

Zurzeit sind wir in Khartoum. Der Muezzin hat gerade seinen über viele Lautsprecher verstärkten Aufruf zum Gebet erschallen lassen. Die frisch gewaschene Wäsche flattert im Wind – und wird vom Grillduft eingehüllt.

Soweit diese Momentaufnahme.

Als wir nach Khartoum kamen, staunten wir nicht schlecht. Eine recht modern anmutende Stadt, ein krasser Gegensatz zu den ärmlichen Hütten, die wir unterwegs im Land gesehen hatten; mit Supermärkten, Restaurants, Cafés, Eisdielen usw. Allerdings gibt es auch die Problembereiche Khartoums: Ohne Asphaltstraßen, ohne Müllabfuhr und ohne fließendes Wasser.

Ein Highlight sollte für uns der Kamelmarkt in Omdurman sein. Der Weg dorthin ist ein Labyrinth, aber wir schafften es. Die Menschen grüßten freundlich, fragten nach unseren Namen, wollten von sich aus fotografiert werden.


Foto & Copyright: Dieter Kreutzkamp


Dann passiert genau das, wovor immer wieder mal von Sudanreisenden gewarnt wird:

Plötzlich taucht ein Mann (Pistole im Hosenbund) auf, greif unsanft nach meinem Oberarm, will mir die Kamera entreißen. Ob ich eine Fotoerlaubnis für den Sudan habe, will er wissen. Die sei heute nicht mehr erforderlich, hatte uns der Polizei-Captain in Wadi Halfa versichert.

Dieser Typ aber ist hartnäckig und der unfreundlichste Mensch, der uns im Sudan begegnet ist.

 Was geht hier vor? Ich verlange nach einem uniformierten Polizisten oder Kontakt zur  Deutschen Botschaft.

Man bringt uns zur Polizei. Der Typ, der mich am Arm hierhergezerrt hatte, telefoniert die ganze Zeit. Wir wissen nicht, was los ist, haben vor allem Angst, dass man die Speicherkarte unserer Kamera mit rund 600 Bildern konfiszieren könnte.

Um diese lausige Story kurz zu machen: Nach drei Stunden erscheint ein Oberst der Geheimpolizei. Er will natürlich zunächst auch noch unsere Pässe sehen (wie mindestens zwanzig andere Personen an diesem Tag). Dann erzählen wir, dass wir nichts weiter als friedlich glotzende Kamele auf dem Kamelmarkt fotografiert hätten.

 >Das war von der Polizei ein großer Fehler!<, sagt er, und meint damit unsere Festnahme. Dann entschuldigt er sich, dass man uns drei Stunden lang festgehalten hat.

Soweit die einzig unerfreuliche Situation, ansonsten zählt der Sudan, vor allem wegen seiner Menschen, zu unseren Favoritenländern.

Foto & Copyright: Dieter Kreutzkamp
 

Inzwischen sind wir in Äthiopien! Die Zoll-Bediensteten an der Grenze waren supernett - und wir dachten schon, das ginge so weiter. Doch im Hinblick auf die Aufdringlichkeit, besonders der Kinder, hat sich hier seit unserem Besuch vor Jahrzehnten wenig geändert.

Wie die Verrückten gaffen und rufen die Kids hinter uns her. >You, you, you, give money!< Gestern  hat ein kleiner Junge blitzschnell eine Handvoll großer Steine gegrapscht und uns bei voller Fahrt gegen die Windschutzscheibe geworfen!! Es knallte markerschütternd! Gott sei Dank nur drei kleine Chips raus. Nichts zerbrochen, das wäre ein Drama, denn eine Windschutzscheibe für einen 710`er – Mercedes ist so gut wie nicht mehr zu bekommen.. Der Schreck war riesig, mein Zorn immens. Tags zuvor schon hatte ein Junge einen Stein hinter uns her über Thunder (und seine Windschutzscheibe hinweg!) geworfen. Auch ein gebrochenes Solarpaneel wäre der Horror!!

 Bei unserer Ankunft in der völlig entlegenen Weltkulturerbestadt Lalibela mit ihren aus dem Fels gemeißelten Kirchen sind wir soweit, dass wir am nächsten Tag so schnell wie möglich aus Äthiopien  raus wollen. Mein Ärger legt sich nach dem – fast meditativen - Besuch dieser einmaligen, aus purem Fels per Hand rausgeschlagenen Bauwerke. Auch der abendliche Besuch eines einheimischen Pubs mit frisch gezapftem Bier trägt dazu bei.

 

Vermutlich hat der in öffentlichen Verkehrsmitteln Reisende ganz andere Eindrücke; er ist ja nicht ständig Gegenstand oft distanzlos zum Ausdruck gebrachter Aufmerksamkeit:

Die Fahrt im eigenen Auto kann schnell zum Spießrutenlauf werden. Wo immer wir anhalten, umringen uns bettelnde Menschen, als habe man sich daran gewöhnt, die Hand aufzuhalten. Grimassen schneidend und wie Derwische tanzend toben die Kinder am Straßenrand, sobald sie uns Fremde bemerken.. Mit Thunder mal stehenzubleiben und die wunderschöne Landschaft genießen, ist selten drin.

Ein bettelarmes Land, dessen Menschen überall zu Fuß unterwegs zu sein scheinen. Auch kleinste Kinder schleppen schon schwere Lasten. Und dabei sahen wir kürzlich ein großes Schild „Send your children to school, not to work“.

Soweit einige wenige Impressionen von diesem Land am Horn von Afrika; Eindrücke höchst zwiespältiger Art…

 

Momentaufnahme:

Seit Addis Abeba sind wir 1200 km gefahren. Wir sind jetzt wieder mit Annette und Berni aus Bayern unterwegs, mit denen wir uns erstmals in Nuweiba auf der Sinai-Halbinsel und dann bei Assuan getroffen hatten.

Die letzten 800 km durch Äthiopien waren sehr gebirgig, und Thunder hatte mächtig zu schnaufen. Obwohl wir uns eigentlich vom Hochland um Addis Abeba in die Savanne runtergearbeitet hatten, ging es doch immer wieder hoch. Wenn ich so richtig Schwung geholt hatte, standen fast immer Ziegen, Kühe, Kamele oder … Menschen auf der Straße! Schlimm auch hier die >You, you, you!!! Money, Money!! Give, Give!< schreienden Kinder. Da es nirgendwo einen Platz gibt, auf dem man ungestört übernachten kann, verbrachten wir eine Nacht in einem Nationalpark (in dem wir Flamingos sehen konnten) - - -, doch selbst hier gab`s keine Ruhe. Wie aus dem Boden gewachsen tauchten mehr als 20 Kinder und junge Männer auf. Der eine wollte die Flamingos aufscheuchen, damit wir >gute< Fotos machen könnten, der andere unser Führer sein, der dritte unsere Autos bewachen, usw. usw… Da sie alle Geld wollten (>Birr! Birr! Birr!), aber nichts

bekamen, bewarfen sie uns mit Steinen. Erst am Eingangstor des Nationalparks stoppten wir, um im Schutz der Ranger die Nacht zu verbringen.

 

Seit Monaten machen Geschichten von sich im äthiopisch – kenianischen Grenzbereich gegenseitig bekämpfenden Stämmen die Runde. Zahlreiche Menschen wurden erschossen. Der kenianische Grenzort Moyale war kurz vor unserer Ankunft überfallen worden; es hatte mehrere Tote gegeben. Auch von der Alternativpiste über Omorate – Lake Turkana hörten wir Horrorgeschichten.

Wir erhalten in Moyale für rund 150 km eine aus vier Polizisten bestehende Polizeieskorte in einem Toyota Land Cruiser. Die 80 US - Dollar dafür zahlen wir gern.

Foto & Copyright: Dieter Kreutzkamp

Morgens um 6.20 Uhr starten wir: Berni und Annette vorweg, dann wir, hinter uns die vier schwer bewaffneten Polizisten.

Auch straßenmäßig ist der Abschnitt Moyale – Merille über knapp 500 Kilometer das Schlimmste, was die Strecke zwischen dem skandinavischen Nordkap und Kapstadt in Südafrika zu bieten hat. Im Süden arbeiten allerdings die Chinesen an einer Asphaltstraße. Vermutlich wird man in fünf Jahren auf dem >East Africa Highway< wie auf Samtpfoten gleiten können.


Foto & Copyright: Dieter Kreutzkamp

Zwischendurch liest Juliana aus unseren alten Tagebüchern vor, was wir hier vor genau 36 Jahren erlebten. Gefährlich war es wegen der Stammeskriege schon damals. Und einen Überfall durch somalische Banditen hatten wir auch …

 

Seit drei Tagen sind wir aus den gefährlichen Gebieten raus. Mit heiler Haut und nach wie vor zuverlässig laufendem Auto.

Wir campen derzeit genau auf dem Äquator in Nanyuki am Fuß des Mt. Kenya. Übermorgen werden wir zu einer Trekkingtour in knapp 5000 Meter Höhe aufbrechen.

Foto & Copyright: Dieter Kreutzkamp
 

Der fröhlich lachende Zollbeamte in Moyale hatte uns die Losung für dieses beschwingt wirkende Land in der Landessprache Kisuaheli mit auf den Weg gegeben: Hakuna Matata! Alles kein Problem...!

< Text & Copyright: Dieter kreutzkamp > 


<  Karte: H. Berndzen, etriox OHG >

Kommentare

Holley, 03.04.2016 09:51

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