Im sturmgepeitschten Hochland der Osttürkei

09.05.2016 11:35 | News

Lasse ich die Bilder aus der Osttürkei Revue passieren, denke ich an ein (in diesen Tagen) sturmgepeitschtes Hochland, über das Hirten mit wettergegerbten Gesichtern große Schafsherden treiben. Die werden von struppigen Hirtenhunden bewacht.
 


<  Foto & Copyright Dieter Kreutzkamp >

Der Wind ist eisig. In der Ferne erkennen wir, sofern die tief hängenden Wolken es zulassen, schneebedeckte Berge, die an Vulkane erinnern. Eine spektakuläre Landschaft, die wir allerdings kaum richtig genießen können – ein Beispiel dazu gleich am ersten Tag in der Osttürkei/westlich von Basargan: Wir hatten 30 m abseits der Straße auf einer Geröllfläche geparkt, um dort zu frühstücken. Da hält auf der Straße ein weißer Kombi, zwei Männer steigen aus und verteilen sich. Der mit der in die Armbeuge gelegten Kalaschnikow kommt zu uns. Keiner der beiden hat Militär- oder Polizeiuniform an. Da wird einem schon komisch zu Mute…

Natürlich spricht keiner die Sprache des anderen. Aber als wir das Wort "Tourist" erwähnen, hellen sich die Gesichter auf. Das Schnellfeuergewehr hängt jetzt etwas entspannter herab. Die Männer grüßen und gehen.

Natürlich wissen wir, dass wir hier in einem politischen Hotspot sind: Syrien ist kaum mehr als ein Steinwurf entfernt, so wie auch der Irak. Irgendwo, fast neben uns, wütet der IS. Und unmittelbar hier bei uns in der Osttürkei besteht das Kurdenproblem.

Auf der Weiterfahrt sehen wir während der nächsten beiden Tage in fast jedem Dorf große festungsartige Polizeistationen, mit Wachtürmen und montierten Maschinengewehren etc.

Als wir in einem einsamen Gebirge an einem reißenden Gebirgsbach kurz stoppen, tauchen plötzlich zwei schwer gepanzerte Polizeifahrzeuge (aussehend wie kleine Panzer) auf. Ein Maschinengewehr schwingt ferngesteuert von einem der Fahrzeuge direkt in unsere Richtung …

Klar, das Ganze löst sich schon bald in freundliche Gesten au … Aber es ist klar, dass die Region hier äußerst gefährlich ist. Und somit auch der harmlose Traveller gefährdet ist.

Aber wieder mal sagen wir zum Schluss: "Ist ja alles noch mal gut gegangen!"

Diese "heiße" politische Situation hatte uns auch im letzten Moment davon abgehalten, den geplanten kleinen Loop vom Iran über Armenien und Georgien in die Türkei zu machen. Schwere Kämpfe waren just in der Region Karabach – nach jahrelanger Waffenruhe – wieder aufgeflammt. Und wir hätten unmittelbar daran vorbeifahren müssen … nein danke!

Landschaftlich ist die Osttürkei ein Traum, in dem die Menschen allerdings verschlossen wirken. Aus Sicherheitsgründen übernachten wir an Truck-Stopps, auf denen die zwischen Iran und Türkei verkehrenden Lkw parken.

Und dann die große Überraschung in 2500 m Höhe: Dicke Schneefelder liegen unmittelbar neben der Straße. Und schon ist unser Hund aus Windhoek dabei, neue Erfahrungen im Schnee zu machen …

Wir kannten die Bilder von den spektakulären Gesteinsformationen von Göreme. Als wir im letzten Abendlicht dort ankommen, übersteigt die Realität jedes noch so schöne Foto. Wir bleiben ein paar Tage und treffen auf andere Reisende. Ein junges Paar aus Deutschland mit Kindern mit einer umgebauten roten Feuerwehr. Später kommt ein junges Paar aus Graz, ebenfalls mit Kindern, in ihrem Steyr-Lkw dazu.


<  Foto & Copyright Dieter Kreutzkamp >

Unvergesslich bleibt die morgendliche Fesselballon-Armada … und plötzlich fühlt sich unsere lange Reise wie Urlaub an!!!

Der nächste post folgt in etwa drei Tagen.

 

<  Text & Copyright Dieter Kreutzkamp >

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