Lagebericht Ruanda

17.07.2012 09:22 | News

Weiterfahrt nach Süden: Bei Gatuna überqueren wir die Grenze nach Ruanda. Außer Gedenkstätten erinnert kaum noch etwas an den Völkermord von 1994, bei dem hier 800.000 Menschen ums Leben kamen. Tage später: Die Grenzkontrolle bei der Einreise nach Tansania ist zügig erledigt. Nicht mal ein Blick wird ins Innere unseres Trucks geworfen. Nur bei der Bezahlung der Road Tax, einer Straßenbenutzungs-gebühr, runzele ich die Stirn: >90 US-Dollar<, sagt der tansanische Offizielle, >wegen des Fahrzeuggewichts.<

Aha, die alte Masche versucht man also auch bei uns… Wir hatten schon von anderen gehört, dass Fremde so zur Kasse gebeten werden sollen. >90 US-Dollar ist der Preis für kommerzielle Fahrzeuge<, erwidere ich. Ohne ein weiteres Wort füllt mein Gegenüber eine Quittung über 25 US-Dollar aus. Ich schmunzele und drücke ihm diesen Betrag in die Hand. Später hören wir von anderen, die über den Tisch gezogen und die ungerechtfertigten 90 US-Dollar gezahlt haben. Abkassieren bei den >Muzungus<, den Weißen, gehört in Tansania ganz offiziell zum Alltag. Rund 400 US-Dollar müssten wir an Eintrittsgebühren für einen Tag im Serengeti National Park zahlen. Für andere Parks gilt ähnliches. Allein unser schweres Fahrzeug schlägt mit 300 US-Dollar pro Tag (!) zu Buche. Viele der Nationalparks hier kennen wir von früheren Besuchen. Angesichts der – nur für Fremde - horrenden Preise in Tansania verzichten wir auf einen erneuten Besuch. Leider! In Malawi, Sambia und Namibia werden die Eintrittspreise für Nationalparks >normal< sein. Nur am tansanischen Lake Manyara machen wir eine Ausnahme: Selbst unser Mietwagen hier mit Fahrer ist deutlich preisgünstiger als das, was wir mit >Thunder< und unserem ausländischen Nummernschild hätten zahlen müssen.

Später stoßen wir mit >Serengeti Lager<-Bier auf unser nächstes Abenteuer an: die Besteigung des 4565 Meter hohen Mt. Meru bei Arusha. Ein bewaffneter Park-Ranger begleitet uns zum Schutz vor wilden Büffeln und Raubtieren auf das Vulkanmassiv. Geradezu umwerfend ist unser Gipfelerlebnis, als die Sonne an der Flanke des uns gegenüberliegenden Kilimandscharo aufgeht.


Am Gipfel des Mount Meru     <  Foto & Copyright Dieter Kreutzkamp >
 

Der Mt. Meru-Trek ist ein spektakuläres Bergerlebnis, das wir der nochmaligen Besteigung des Kilimandscharo (unsere erste war im Januar 1976) allemal vorziehen. Schon allein der Nationalparkgebühren wegen: ca. 1600 US-Dollar für uns beide. (Und gezahlt werden muss in harter Währung – in Dollar oder Euro!) Dazu kommen die Kosten für Träger und Führer. Zwei Personen werden, summa summarum, mit deutlich mehr als 3200 US-Dollar zur Kasse gebeten! (Die Durchschnittsfamilie hier verdient umgerechnet monatlich rund 60 US-Dollar!)

Während sich auf dem Gipfel des Kilimandscharo im statistischen Mittel täglich mehr als 120 Menschen drängen, sind wir auf dem Mt. Meru-Gipfel nur vier Wildnis-Trekker.

Die Regenzeit erwischt uns in den Usambara-Bergen. Wir genießen den Nebel! An der Küste des Indischen Ozeans lähmt uns wenig später ein Treibhausklima von 32 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit.


Bei Pangani am Indischen Ozean       <  Foto & Copyright Dieter Kreutzkamp >

 

Die Schiffsfahrt von Pangani auf dem tansanischen Festland zum Nordzipfel Sansibars kommt nicht zustande, da am Morgen der geplanten Abfahrt technische Probleme den maroden Seelenverkäufer aufs Trockendock zwingen. Schade – später werden wir es hier noch einmal versuchen.

 < Hier geht es weiter zur nächsten Etappe >

< Text & Copyright Dieter Kreutzkamp >


<  Karte: H. Berndzen, etriox OHG >

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