Lagebericht: Victoriafälle und der Stachel eines Skorpions

15.08.2013 19:00 | News

Das erste Mal hatten wir die Victoriafälle auf dem Überlandweg quer durch Afrika im Frühjahr 1976 erreicht. Damals noch mit unserem unverwüstlichen VW Bulli (T 1) namens Methusalem.

Etwa hälftig liegen die Victoriafälle auf dem Gebiet Sambias und Simbabwes (damals Rhodesien). Aber schon in den siebziger Jahren zog ich den kleinen Ort Victoria Falls der nahe gelegenen Stadt Livingstone auf sambischem Gebiet vor. Der große internationale Tourismus sieht das anders, denn Livingstone mauserte sich längst zu einem stark frequentierten touristischen Sprungbrett, während der Ort Victoria Falls in Simbabwe vor sich hin schlummert. Natürlich hat das mit der aktuellen politischen Situation zu tun…

 

<  Foto & Copyright Dieter Kreutzkamp >

Trotzdem verließen wir Sambia, überquerten die Brücke über den Sambesi. Einen Moment stoppte ich unseren Lkw dort, wo mutige bungeejumper sich kopfüber 110 Meter tief Richtung Sambesi River stürzen. 110 Meter pures Adrenalin…!

Von dem letztmals von uns vor zehn Jahren besuchten Camp in Victoria Falls steht nur noch das steinerne Tor, andere Camps sind stark vernachlässigt. Dennoch bleiben die Besucher nicht gänzlich aus.

Victoria Falls begeistert uns nach wie vor.

 


<  Foto & Copyright Dieter Kreutzkamp >
 

Pitschnass  werden wir beim Besuch der Victoriafälle. Dicke Tropfen vom aufgewirbelten Spray der hochgischtenden Wassermassen laufen von den Blättern auf den glitschigen Pfad am Rande der Fälle. Regenbogen verzaubern den Himmel im aufsteigenden Wasserdunst, der den Fällen den Namen Mosi-oa-Tunya gab: der Rauch der donnert.

Das Kontrastprogramm abends, als wir im Boot einer "Sunset Cruise" oberhalb der Fälle über den Sambesi schippern und an einem Bierchen nippen.

Wir nähern uns jetzt einer der wildreichsten und ursprünglichsten Regionen auf unserem Globus; zunächst dem Hwange National Park in Zimbabwe, von dem aus es für uns nach Botswana gehen soll. Später werden wir zu den weißen Salzpfannen im Inneren des staubtrockenen Botswana rollen.

Hwange National Park scheint von den Besuchern vergessen zu sein. Noch vor zwei Jahrzehnten war die touristische Infrastruktur des Parks ähnlich perfekt organisierte wie jene in der südafrikanischen Vorzeigewildnis des Krüger National Park. Damals gab es auch hier viele Besucher, heute so gut wie keine mehr. Wegen der politischen Lage…

 


<  Foto & Copyright Dieter Kreutzkamp >

In traumhafter Lage campieren wir am Rand der Abbruchkante des Sinamatella Camps; ein Fünf-Sterne-Blick auf Elefanten, die tief unten vorbeiziehen. Campingplätze, die vor Jahren nur mit viel Glück und Vorausbuchung erhältlich waren, sind heute unbelegt. Das einst schicke Restaurant geschlossen, fast verfallen. Aber auch hier: Die schwarzen Ranger  und Hilfskräfte sind außerordentlich hilfsbereit. Jeder hofft, dass es mit dem Land und diesem Park wieder aufwärtsgeht.

Robins Camp im Hwange Nationalpark werden wir nie vergessen:


<  Foto & Copyright Dieter Kreutzkamp >

 

Robert, ein junger schwarzer Nationalparkgehilfe, hatte uns Holz fürs Lagerfeuer gebracht und angezündet. Robert war Mitte 20 und sehr gut über die Welt informiert. Wir plauderten angeregt miteinander. Das Feuer brannte nieder. Um zu verhindern, dass die abgebrannten Holzstücke auf den Boden fielen, ging ich an den steinernen Feuerplatz und schob die Holzenden mit spitzen Fingern in Richtung Glut.

Ein ungeheurer Schmerz durchfuhr mich. Was war das?! Glut?! Nein! Ein Schmerz wie ich ihn nie zuvor erlebt hatte.

"Etwas hat mich gestochen oder gebissen", rief ich Juliana zu. Im Schein ihrer Taschenlampe sahen wir einen Skorpion unterhalb des Holzes. Er hatte sich auf das Ende eines glimmenden Holzscheits gerettet und mich in den Mittelfinger gestochen, als ich den Scheit nachschob. Während der nächsten fünf Stunden erlebte ich den fürchterlichsten Schmerz meines Lebens.

 


<  Foto & Copyright Dieter Kreutzkamp >
 

24 Stunden später ist der Schmerz völlig verschwunden. Nochmal Glück gehabt! Mit Thunder wären es bis zum nächsten Arzt rund fünf Stunden Pistenfahrt bei Nacht und Nebel gewesen…

<  Text & Copyright Dieter Kreutzkamp >

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