Lagebericht Uganda - freundliche Menschen und ein wasserscheuer Schimpanse

14.06.2012 09:16 | News

Uganda ist Neuland für uns. Schon vor 36 Jahren wollten wir bei unserer ersten Afrikadurchquerung von Zentralafrika kommend nach Uganda rein. Doch es war die Zeit des Regimes jenes gefürchteten Idi Amin, der Angst und Schrecken verbreitete und das Land für Jahrzehnte wirtschaftlich zurückwarf. Man ließ uns damals an der Grenze schmoren – und wies uns nach Tagen ab.

Heute ist alles anders: ein friedliches, freundliches Land mit weltoffenen, herzlichen Menschen. Mit Englisch kommen wir bestens über die Runden. Englisch ist hier die erste Amtssprache.

Wir hatten zuvor fast keine Traveller getroffen, die Uganda im Rahmen eines Overland-Afrika-Trips bereist hatten. Uganda liegt zu weit im Osten, und da – wegen politischer Instabilität – der angrenzende Kongo nur unter großen Risiken zu bereisen ist, liegt es an keiner Durchgangsroute. Die meisten Traveller wählen die schnelle Route nach Süden: Äthiopien, Kenia, Tansania und dann weiter Richtung Südafrika.

Nachdem wir uns von der Besteigung des Mt. Elgon erholt haben, rollen wir nördlich des Lake Victoria nach Osten. Die Asphaltstraße ist recht ordentlich. Trotzdem kommen wir nicht flott voran; >habe den Eindruck, als würde die ganze Bevölkerung Ugandas am Straßenrand leben<, sage ich zu Juliana. Hütte reiht sich an Hütte…

Die Geburtenexplosion und der Bevölkerungsdruck auf die Natur sind unübersehbar. Dazu ein paar Zahlen: Ugandas Bevölkerung betrug 1950: 5 Millionen, 2002: 24 Millionen, 2011: 36 Millionen.

Uganda hat, wie alle ostafrikanischen Staaten, eine sehr junge Bevölkerung. Wenn die zahlreichen Schulen am Nachmittag schließen, ziehen Scharen von Kindern und Jugendlichen am Fahrbahnrand entlang nach Hause. Alle sind in Schuluniformen gekleidet: in Lila, Rot, Grün, Blau und Gelb… Oft sind es mehrere Hundert Schüler, einer hinter dem anderen.

 


Freundliche Kinder in Uganda                                                   <  Foto & Copyright Dieter Kreutzkamp >
 

Beim Ort Jinja überqueren wir eine der Nilquellen, den Victoria Nile, der seinen Ursprung im südlich gelegenen Lake Victoria hat. Abends laufen wir in Kampala, Ugandas Hauptstadt, ein.

Red Chilli Hideaway ist hier der angesagte Treffpunkt für die zumeist jungen Reisenden aus Europa, Amerika und Australien; fast alle Kurzurlauber für zwei oder drei Wochen. Sie besteigen einen der kommerziellen Overlander-Trucks, zelten nachts auf Plätzen wie diesem und fliegen von Kampala voller berauschender Afrikaimpressionen zurück nach Hause.

 

Seit ewigen Zeiten bin ich begeisterter Motorradfahrer, doch was ich am nächsten Tag erlebe, ist selbst für mich Premiere. Zu zweit sitzen Juliana und ich auf dem Sozius eines kleinen >Boda Boda<, eines Motorradtaxis, mit nur 150 Kubik, vor uns der Fahrer. Natürlich - wir alle drei - ohne Sturzhelm!

In atemberaubender Vielfalt knattern diese Teufels-Bikes zu Abertausenden durch Kampalas Innenstadt: irres Gewusele, überall Verkehrsstaus. Die Stadt scheint aus den Nähten zu platzen: Kein Wunder, 50 Jahre zuvor hatte Kampala 50.000 Einwohner, heute 1,5 Millionen.

Zum Glück gibt uns jemand den Tipp, wie wir mit Thunder dieses Verkehrsgewühl nervenschonend umgehen können; im Morgengrauen tasten wir uns auf der brandneuen Umgehungsstraße um diese stetig wachsende Riesenstadt herum.

 


Verkehrsprobleme sind hier anders...                                                       < Foto & Copyright Dieter Kreutzkamp >
 

Ugandas Nationalparks auf eigene Faust mit eigenem Auto zu bereisen ist sehr teuer! Als wir den Queen Elizabeth National Park erreichen, mieten wir uns stattdessen für 100 US-Dollar pro Tag einen Pkw; Fahrzeuge mit ugandischer Zulassungsnummer kommen günstiger in den Park rein. Verrückt – aber so ist’s nun mal! Immerhin sparen wir so 50 US-Dollar.

Für die gönnen wir uns eine Bootsfahrt am Lake Edward. Angesichts dutzender Elefanten und faul im Wasser dösender Flusspferde verdrängen wir die enormen Kosten des Nationalparkbesuchs.

 

Für eine Banane tut ein Pavian alles...
Für eine Banane tut ein Pavian alles...                                                    < Foto & Copyright Dieter Kreutzkamp >

 

Tage später pirschen wir mit einem Ranger durch den dichten tropischen Regenwald des Kalinzu Forest Reserve und suchen Schimpansen. Nach zwei Stunden entdecken wir den Ersten. Doch im niederstürzenden Tropenregen verbirgt der sich kurzerhand im schützenden Blätternest – wir hingegen werden bis auf die Haut pitschnass. Trotz allem: jederzeit wieder!!!

< Hier geht es zur nächsten Etappe >

 

 

< Text & Copyright Dieter Kreutzkamp >

 


<  Karte: H. Berndzen, etriox OHG >

 

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